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Mohrenkopfpapagei

Ikarus – die bittersüße Geschichte eines Mohrenkopfpapageis

Rätselhafte Vergangenheit

Ursprünglich soll er einmal „Felix“ geheißen haben, wörtlich übersetzt der „Glückliche“. Aber so genau wissen wir das nicht. Laut einem offenen Ring, den wir zusammen mit seinen recht lückenhaften Papieren erhalten haben, soll er 1991 als deutsche Nachzucht das Licht unserer europäischen Welt erblickt haben. Aber auch das wissen wir nicht wirklich; denn der ohnehin offene Ring befand sich ja nicht mal an seinem Füßchen. Was wir aber ganz genau wissen ist, dass es sich bei unserem Vogel um einen (inzwischen) ganz besonders liebenswürdigen und anhänglichen Mohrenkopfpapagei handelt, den wir um nichts in der Welt mehr hergeben würden. Doch bevor wir uns weiterhin mit der Gegenwart beschäftigen, sollten wir vielleicht zunächst einen Blick zurück werfen und schildern, wie alles begann.

Faszination Mohrenkopfpapagei

Schon vor vielen Jahren hatten wir Erfahrungen mit der Haltung von Mohrenkopfpapageien gemacht und waren dabei der Faszination dieser afrikanischen Charakterköpfe erlegen. Aufgrund geänderter Lebensumstände, die uns vollständig in Anspruch nahmen, mussten wir dann allerdings für einige Zeit auf die Gesellschaft gefiederter Hausgenossen gänzlich verzichten. Nachdem sich die Situation aber wieder beruhigt und wir neue Wurzeln geschlagen hatten, kam bald auch erneut der Wunsch auf, unser altes Hobby wieder zu pflegen. Gefördert wurde dies zudem durch den Wunsch unserer inzwischen 11-jährigen Tochter, sich wie viele ihrer Freundinnen auch um ein Haustier kümmern zu dürfen. Was stand also der Anschaffung eines „Krummschnabels“ im Wege? Nichts! Nur dass es dann nicht bei einem bleiben sollte ...

„Einzug“ der Vogelschar

Wie an anderer Stelle im WP-Magazin bereits beschrieben, sind wir zunächst im Hinblick auf die Anschaffung unserer neuen Hausgenossen „klassisch“ vorgegangen (vgl. dazu die Berichte in den Ausgaben 6/06, 1/08 sowie 2/08). Das Ganze entwickelte dann aber – nicht immer zur ungetrübten Freude unserer sehr auf Sauberkeit bedachten Mama – eine Art Eigendynamik, denn bald schon befanden sich jeweils ein Paar Wellensittiche, Blaugenicksperlingspapageien, Pfirsichköpfchen und sogar Schwarzohrpapageien in unserem Besitz. In diesem Zusammenhang war es natürlich ganz wichtig für mich, Unterstützung vor allem von Seiten meiner Tochter zu bekommen. Denn man darf bei all der Begeisterung unter keinen Umständen vergessen, dass die Betreuung eines solchen Schwarms doch recht zeitaufwändig ist, wenn man sich wirklich intensiv um jeden einzelnen Vogel kümmern und dessen arttypischen Bedürfnissen irgendwie gerecht werden möchte. Doch im Lauf der Zeit spielte sich alles recht gut ein, und auch die Sittiche und Papageien schienen sich recht wohl bei uns zu fühlen. Letzteres zeigte sich unter anderem dadurch, dass bald schon die ersten Jungtiere zu bestaunen waren, die wir bislang immer in gute Hände weitervermitteln konnten – wenn auch schweren Herzens, denn vor allem unserer Tochter fiel es anfangs sehr schwer, auch nur einen ihrer Vögel abzugeben. Doch ich persönlich hatte immer noch einen Traum, den ich verwirklichen wollte. Es war etwas, das mich die ganzen Jahre einfach nicht mehr losgelassen hatte und das man in zwei sehr wissenschaftlich klingenden lateinischen Begriffen kurz und knapp zusammenfassen kann: „Poicephalus senegalus“!

Vom Traum zur Wirklichkeit

Es bedurfte vieler Versprechungen meinerseits, dass es sich wirklich um die letzte Vergrößerung unseres Bestandes handeln würde. Und auch manche Bestechung war notwendig. Doch dann willigte meine Frau doch ein – und somit war der Weg frei, frei für den Mohrenkopfpapagei, den „Graukopf aus dem Senegal“ (so etwa lautet die wörtliche Übersetzung des wissenschaftlichen Namens dieser afrikanischen, nur knapp 25 Zentimeter großen Papageienart). Und somit machte ich mich auf die Suche, die sich allerdings alles andere als einfach gestalten sollte. Zunächst einmal mussten wir schnell feststellen, dass Mohrenkopfpapageien nicht mehr gewissermaßen als „Vögel von der Stange“ zu haben waren. Hatte man sie einst zum Teil schon für 100 Mark erwerben können, so lag – wohl auch bedingt durch ein inzwischen verhängtes striktes Importverbot – der Preis nun so zwischen 200 und 300 Euro pro Tier. Persönlich übrigens halten wir das für eine positive Entwicklung, denn leider scheint es in unser heutigen Gesellschaft oft der Fall zu sein, dass man etwas nur dann entsprechend hegt und pflegt, wenn es mit einem entsprechenden materiellen Aufwand verbunden ist. Soll heißen: je teuerer zum Beispiel ein Papagei ist, umso intensiver und sorgfältiger kümmert man sich um ihn – traurig, aber wohl häufig auch wahr. Ein weiteres Problem bestand darin, überhaupt zunächst einmal geeignete Tiere zu finden. Uns – oder besser gesagt mir – schwebte ein noch junges Pärchen vor, das zudem gegengeschlechtlich und zudem blutsfremd sein sollte. Zum einen ist es nämlich gerade bei Mohrenkopfpapageien wohl häufig im Hinblick auf ein harmonisches Zusammenleben problematisch, zwei Vögel des gleichen Geschlechts zu halten; zum anderen wollten wir ja nicht von vornherein ausschließen, den Tieren einmal die Möglichkeit zur Brut anzubieten. Aber zunächst sollten unsere Pläne mal wieder durch ein Telefonat durcheinander gewirbelt werden.

„Ikarus“ tritt in unser Leben

Was war passiert? Nun ja, während eines Gesprächs mit einem Papageienzüchter stellte sich heraus, dass dieser zu jenem Zeitpunkt auch keine entsprechenden Jungvögel anbieten konnte. Aber er hätte da noch was anderes, vielleicht eine Alternative ... Wie sich bald herausstellte, war vor einigen Jahren ein Mohrenkopfpapagei bei ihm abgegeben worden, ein recht tragischer Fall. Der Vorbesitzer hatte dem noch jungen Tier die Flügel gestutzt, um ihn besser zähmen zu können. Ohnehin ja schon ein barbarischer Akt, aber aufgrund der völligen Unkenntnis dieses „Papageienfreundes“ war der Vogel so verstümmelt worden, dass seine Federn aufgrund einer Verletzung der Kiele nie mehr nachwachsen konnten. Und damit war der Hahn natürlich auch optisch unattraktiv geworden und wurde schließlich bei dem Züchter „entsorgt“, mit dem ich gerade telefonierte. Dieser hatte ihn gnadenhalber aufgenommen und zunächst versucht, ihn in einer Voliere zusammen mit Artgenossen unterzubringen. Doch der flugunfähige Vogel hatte dabei wirklich keine Chance, da er permanent von den anderen attackiert, vom Futter vertrieben bzw. auch zu Boden gestoßen wurde (Charles Darwin und seine These des „survival of the fittest“ lassen grüßen!). Es blieb also nichts anderes übrig, als ihn separat in einen großzügigen Käfig zu setzen, zwar in Sicht- und Rufkontakt zu den anderen Papageien und gut versorgt, aber doch isoliert. Und da sich im Lauf der Zeit einfach kein Interessent für den „Glücklichen“ fand, wurde dieses Provisorium schließlich zur wenig erfreulichen Dauerlösung, auch zum Bedauern des Züchters. Tja, wir mussten eigentlich nicht lange überlegen. Nach einem kurzen Gespräch mit meiner Tochter war der spontane Entschluss gefasst: wir würden den behinderten Mohrenkopfpapageienhahn – auch wenn er mehr als 500 Kilometer von uns entfernt sein eher trauriges Dasein fristete – bei nächster Gelegenheit abholen und versuchen, ihm bei uns zu Hause ein, soweit das überhaupt noch möglich war, artgerechtes Leben zu ermöglichen. Und so zog „Ikarus“ schließlich im Herbst 2007 bei uns ein. Die nächsten Wochen und Monate sollten dann wahrlich turbulent werden – doch dazu mehr in der nächsten Ausgabe des WP-Magazins. Ikarus – die bittersüße Geschichte eines Mohrenkopfpapageis(Teil II)

„Der lange Weg nach Süden“

Die Fahrt, um den gehandikapten Mohrenkopfpapagei in unser kleines oberpfälzisches Dorf zu holen, war aufwändig, zudem konnte mich meine Tochter am vereinbarten Tag leider nicht begleiten. Um also eine knapp 1000 Kilometer lange, öde Reise mit dem Auto wenigstens teilweise zu vermeiden, beschloss ich, zunächst den Zug zu benutzen. Sehr früh am Morgen ging es daher am Bahnhof in Weiden los, und so gegen Mittag traf ich dann in Karlsruhe ein, wo ein Leihwagen auf mich wartete. Den brauchte ich für die Rückfahrt, da ich den ohnehin bestimmt nervösen Papagei möglichst ungestört und in der Transportbox abgeschirmt zu uns nach Hause befördern wollte. Sofort machte ich mich nun auf den Weg Richtung Süden, wo sich in einem kleinen Weiler in der Nähe von Achern – ein Ort, den viele Vogelliebhaber aufgrund der dort regelmäßig stattfindenden Papageienausstellung bestimmt kennen – das „Objekt der Begierde“ befand. Ganz in der Nähe der französischen Grenze fand ich schließlich das Haus des Züchters, mit dem ich einige Wochen zuvor telefoniert hatte und der mich nun freundlich empfing. Nach ein paar Begrüßungsworten gingen wir dann zusammen in den Wintergarten, wo der flugunfähige „Mohrenkopf“ in einem geräumigen Käfig wunderschön untergebracht war. Und so sah ich ihn, müde und gleichzeitig etwas unruhig, das erste Mal: Er saß recht angespannt auf einer Stange, so als ob er ahnen würde, dass an diesem Tag etwas Besonderes passieren würde. Übrigens bin ich der Meinung – und ich glaube, viele Vogelhalter teilen diese Überzeugung -, dass Papageien eine Art „6. Sinn“ für Dinge wie Veränderungen besitzen. Für uns Menschen wird wohl nie klar bzw. durchschaubar werden, wie das Ganze funktioniert, aber Tatsache ist wohl, dass es da noch etwas Geheimnisvolles geben muss, das uns verborgen bleibt. Wie dem auch sei: da stand ich nun „Auge in Auge“ mit dem Mohrenkopf-Hahn und konnte noch nicht ahnen, dass diese Begegnung mein Leben doch beträchtlich verändern sollte.

Umzug in die Oberpfalz

Tja, nun war es also soweit – der Papagei sollte den Besitzer wechseln. Er drückte sich vorsichtshalber soweit in die entfernteste Ecke seines Käfigs wie möglich und zitterte leicht. Auch sonst schien er – trotz der wirklich ansprechenden Unterbringung und vorbildlichen Versorgung seitens der Züchterfamilie – nicht in allerbester Verfassung zu sein: aufgrund der Verstümmelung durch den ersten Halter fehlten einige seiner Schwungfedern völlig oder waren nur unzureichend nachgewachsen, insgesamt sah er ziemlich zerzaust aus und auch der Schnabel war recht rissig bzw. brüchig, was auf innere Erkrankungen ganz allgemein hindeuten kann (vgl. dazu auch den sehr aufschlussreichen Artikel von Frau Hildegard Niemann zum Thema „Der Papageienschnabel“ im WP-Magazin 4/08). Das Schlimmste allerdings kam erst noch: Als der Züchter sehr behutsam versuchte, den Vogel mit einem Schutzhandschuh zu greifen, um ihn in die bereitgestellte Transportbox zu setzen, begann ein panisches Schreien, das wirklich herzzerreißend war – der arme „Mohrenkopf“ musste wirklich schon extrem negative Erfahrungen in seinem bisherigen Leben mit der „Gattung Mensch“ gemacht haben! Schließlich gelang es doch, den kleinen Afrikaner umzusetzen. Und nach Klärung aller „Formalitäten“ machte ich mich dann auf den langen Weg nach Hause, innerlich recht aufgewühlt und sehr skeptisch im Hinblick darauf, was uns „unsere gemeinsame Zukunft“ bringen würde. Der Vogel übrigens gab während der rund fünfstündigen Fahrt keinen Laut von sich, zog sich – soweit es irgend ging – in die Box zurück und rührte natürlich auch den Apfel bzw. das Körnerfutter nicht an. Dass meine wiederholt an ihn gerichteten Worte oder ein gelegentliches Pfeifen eine beruhigende Wirkung auf ihn hatten, ist wohl auch eher zu bezweifeln.

„Aller Anfang ist schwer – verdammt schwer ...“

So erreichten wir gegen Abend unseren Heimatort Pirk, beide sichtlich erschöpft. Alles war natürlich gründlich für den Neuankömmling vorbereitet worden, aber das erste, wirklich große Problem war einfach nicht zu vermeiden – das erneute Umsetzen des Vogels in seine neue Unterkunft. Im Prinzip wiederholte sich alles erneut, was sich schon beim Züchter abgespielt hatte, nur in etwas verschärfter Form. Da ich wirklich müde und zudem aufgeregt war, fiel mir der wild flatternde Papagei aus der Hand und verkroch sich furchtbar schreiend unter einem Heizkörper. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihn noch einmal zu greifen, wobei ich ohne Lederhandschuhe wohl – ohne zu übertreiben – tiefe Fleischwunden an den Fingern davongetragen hätte. Schmerzen hatte ich auch so schon genug, aber im Vergleich zu den seelischen Qualen des armen Tieres waren meine Beschwerden mit Sicherheit unerheblich.

Schließlich saß er dann doch in seinem neuen Käfig, allerdings völlig am Ende, ja geradezu apathisch. Da er keine Anstalten machte, Nahrung oder Wasser anzurühren, hielten wir es zunächst einmal für das Beste, ihn bei Anbruch der Dunkelheit mit einem dunklen Tuch abzudecken, damit er über Nacht zur Ruhe kommen und vielleicht wieder etwas Kraft tanken könnte. Was der neue Tag dann bringen würde, würde sich zeigen.

Sonntag, 28. Oktober 2007

Es war günstig, dass der erste Tag, den unser neuer Papagei bei uns verbringen würde, ein Sonntag war, da wir zu Hause waren und Zeit hatten, ihn bei uns aufzunehmen. Doch alle waren wirklich verkrampft, als das Tuch abgenommen wurde. Aber etwas Außergewöhnliches war passiert, und das nicht das letzte Mal im Hinblick auf unseren „Mohrenkopf“, denn er war und ist immer noch für Überraschungen gut. Nun ja, was machte er? Zu unserem Erstaunen hatte er schon das erste Tageslicht ausgenutzt, war zu seinen Futternäpfen marschiert und nahm gerade eine ausgiebige Mahlzeit zu sich – Kohldampf musste er schließlich haben! Danach setzte er sich wieder auf seinen Ast und begann, mit dem Schnabel zu knirschen. Wir freuten uns darüber sehr, denn dies ist ein untrügliches Zeichen dafür, dass sich ein Papagei wohlfühlt. Ich hatte im Übrigen beschlossen, unseren flugunfähigen, aber Gott sei Dank wohl zähen und robusten Afrikaner „Ikarus“ zu nennen, in Anlehnung an den ungehorsamen Sohn aus der griechischen Mythologie, der mit seinen vom Vater gefertigten Flügeln aus Federn und Wachs zu nah an die Sonne flog und daraufhin abstürzte.

„Ikarus“ blüht auf

„Ikarus“ schien also nun auch im übertragenen Sinne bei uns angekommen zu sein. In den ersten Tagen gönnten wir ihm viel Ruhe in seiner neuen Behausung, die wir bewusst an einen hellen Platz ins Wohnzimmer gestellt hatten, damit er sich zum einen an uns gewöhnen konnte, zum anderen aber auch etwas Gesellschaft von unserem Wellensittichpaar im Nachbarkäfig hatte. Und nun ging es Schritt für Schritt bergauf. Er fraß regelmäßig und schien auch so schon wieder einigermaßen guter Dinge zu sein. Nach etwa einer Woche konnten wir uns auch dem Käfig nähern, ohne dass er unruhig wurde; und nach knapp vier Wochen akzeptierte er schon Obststücke, die ich ihm durch die Gitterstäbe anbot, hauptsächlich Äpfel und Karotten. Was zudem sehr aufschlussreich im Hinblick auf den Charakter des Mohrenkopfpapageien war, war sein Verhalten gegenüber den Wellensittichen. Diese interessierten sich, neugierig wie sie nun einmal sind, natürlich sehr für den Neuankömmling. Vor allem der manchmal fast zu nette „Maxi“, der erste Vogel, den wir uns angeschafft hatten, versuchte intensiv, Kontakt aufzunehmen. Und als wir es ihm einmal erlaubten, auf dem Dach des Käfigs von „Ikarus“ zu landen, reagierte dieser überhaupt nicht aggressiv, sondern äußerst liebevoll – die beiden so gänzlich unterschiedlichen Vögel begannen tatsächlich, durch die Gitterstäbe zu schnäbeln! Ein wirklich bemerkenswertes Verhalten, das erneut belegt, dass man mit Pauschalurteilen im Hinblick auf das Verhalten von Papageien äußerst zurückhaltend sein sollte. Abgesehen von gewissen typischen Eigenschaften scheint es wirklich sehr auf das jeweilige Individuum anzukommen – und „Ikarus“ schien wahrlich eher „von der gutmütigen Sorte“ zu sein.

Überschreiten einer weiteren Grenze

In seinem äußerst interessanten und informativen Buch „Unser Mohrenkopfpapagei“, das man wirklich jedem Halter von Langflügelpapageien ganz allgemein empfehlen kann, schreibt der Autor, Herr Rudolf Wagner, auf Seite 101, dass die afrikanischen Poicephalus-Arten üblicherweise nachtragend sind, da sie nichts vergessen. Gott sei Dank bestätigen aber Ausnahmen immer wieder die Regel, denn sonst hätte sich bei der katastrophalen Vorgeschichte unseres Vogels Folgendes sicherlich nicht zugetragen: Nach etwa sechs bis acht Wochen merkte ich ganz deutlich, dass „Ikarus“ die Anwesenheit von Menschen nicht mehr unangenehm war, ganz im Gegenteil. Ich muss allerdings an dieser Stelle anmerken, dass ich mich während seiner bisherigen Zeit bei uns wirklich intensiv um ihn gekümmert hatte, denn ich hatte den Papagei in mein Herz geschlossen. Wahrscheinlich spürte er dies auch irgendwie, jedenfalls wurde ich keck und hielt zum ersten Mal meine – ungeschützte – Hand in den Käfig. Es passierte nichts, was ja schon mal sehr positiv war, vor allem wenn man an die Erfahrungen des ersten gemeinsamen Tages denkt. Lange Zeit passierte nichts, den Vogel störte aber die Hand zumindest nicht. Nach etwa einer Woche passierte dann aber schon etwas – sensationell ist ein „starkes“ Wort, aber für mich war es das nun einmal: „Ikarus“ kletterte auf meinen ausgestreckten Zeigefinger, blieb dort seelenruhig einige Minuten sitzen und entschloss sich schließlich, auf den Ärmel meines Woll-Troyers, an dem er sich natürlich sehr gut festhalten konnte, zu klettern und von dort aus weiter auf die rechte (!) Schulter. Da saß er dann – und dort sitzt er noch heute so oft es geht, denn dieser Ort ist seitdem sein Lieblingsplatz. Er genießt es in vollen Zügen, selber ja nur bedingt „mobil“, sich auf dieser Stelle mit gutem Überblick durchs Haus tragen zu lassen und an alltäglichen Tätigkeiten wie gemeinsamen Mahlzeiten, Zähne putzen, Telefongespräche führen usw. teilzunehmen. Und nun kommen wir zu einem ganz besonderen Privileg, das aber einen etwas makaberen Beigeschmack hat: Aufgrund seiner Flugunfähigkeit ist es natürlich auch möglich, „Ikarus“ mit nach draußen zu nehmen! Und das sind dann die absoluten „Highlights“: mit dem Vogel beim Grillen auf der Terrasse sitzen, ihn zum Klettern auf den (noch kleinen) Kastanienbaum im Garten setzen oder mit ihm einen Spaziergang machen – mit einem Hund Gassi gehen ist sicher was Tolles, einen Papagei „auszuführen“ ist aber was ganz Besonderes, übrigens auch für unsere Nachbarn und Freunde, die sich manchmal spontan anschließen! Auf gelegentliche Fragen, warum „Ikarus“ ausschließlich rechts auf der Schulter Platz nimmt, weiß ich auch keine Antwort – ein weiteres kleines Mysterium im Hinblick auf das Verhalten der Papageien ...

„Ikarus“ und „Lucie“

So hat sich im Laufe der Zeit „Ikarus“ gut bei uns eingelebt und vor allem zwischen mir und ihm ein inniges Verhältnis entwickelt. Vielleicht ist er einfach ein „Männervogel“, vielleicht ist dies aber auch nur Zufall. Wie dem auch sei, ein Problem entstand für mich daraus, nämlich ein gewisses Unwohlsein in Phasen natürlich nicht vermeidbarer, längerer Abwesenheit meinerseits. Der Vogel hatte daran höchstwahrscheinlich weniger zu knabbern als ich, schließlich war er das Alleinsein ja gewohnt und auch sonst überraschenderweise mit sich und der Welt im Reinen. Ich machte mir aber meine Gedanken und versuchte, eine Lösung zu finden. Wie diese nur aussehen konnte, war eigentlich von vornherein klar: „Ikarus“ müsste einen artgleichen, gegengeschlechtlichen Partner bekommen! Aber würde das gut gehen? „Mohrenköpfe“ sind ja eigentlich bekannt dafür, dass Vergesellschaftungen, vor allem bei älteren Vögeln, relativ problematisch sind. Doch was dafür sprach war die Tatsache, dass sich unser Papagei nie aggressiv gegenüber anderen Vögeln gezeigt hatte, wobei er mit den Wellensittichen natürlich „nicht wirklich“ was anfangen konnte. Nach mehreren, längeren Gesprächen mit einem mir bekannten Mohrenkopfpapageien-Züchter kamen wir schließlich zu folgendem Ergebnis: wir würden versuchen, unseren „alten Herrn“ mit einem noch ganz jungen Weibchen zu vergesellschaften, derer er sich annehmen, die er gewissermaßen großziehen könnte. Riskant zwar, aber einen Versuch wert, vor allem auch deswegen, weil die Henne ja – im Falle etwaiger Konflikte – den Vorteil hatte, davonfliegen zu können. Und so kam es schließlich, dass im Frühjahr 2008 die äußerst friedvolle „Lucie“ bei uns bzw. bei „Ikarus“ einzog. Und um die Sache kurz zu machen: erneut hatten wir unglaubliches Glück, denn die beiden „Mohrenköpfe“ waren vom ersten Moment an ein Herz und eine Seele, es war wohl so etwas wie Liebe auf den ersten Blick. Auch heute, nach mehreren Monaten des Zusammenseins, ist es immer noch herzerweichend zu beobachten, wie die beiden miteinander turteln, sich kraulen und einfach glücklich sind. Übrigens hat sich das Verhältnis von „Ikarus“ zu mir dadurch nicht verändert. Er genießt noch immer seine „Ausflüge“ mit seinem „Herrchen“; und währenddessen kommt auch die handaufgezogene „Lucie“ nicht zu kurz, da meine Tochter mit ihr in dieser Zeit meist etwas unternimmt – denn auch die „zwei Mädels“ verstehen sich prächtig.

Blick „nach vorne“

„Schaun wir mal“, wie ein gewisser Herr Beckenbauer zu sagen pflegt, was die Zukunft noch so alles bringt. Bisher sieht alles ganz gut aus, auch scheint eine „spätere Heirat“ nicht ausgeschlossen. Aber dafür braucht es noch – wenn überhaupt – viel, viel Zeit. Und vielleicht kann ja im Rahmen dieses Magazins noch mal „zu späterer Stunde“ darüber berichtet werden ... P.S.: Falls Sie Fragen zum Artikel haben, weitere Tipps wünschen oder auch eigene Erfahrungen, Anregungen oder Kritik „loswerden“ wollen, können Sie jederzeit Kontakt mit uns aufnehmen – Telefonnummer: 0961/4161387; Email: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

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